
Geschichte
Von der Frühzeit bis ins 19. Jahrhundert
Frühzeit und Antike
- In der Steinzeit hinterließen Menschen große Müllhaufen mit Knochen, Scherben und Asche, die gelegentlich verbrannt wurden, um unangenehme Gerüche zu vermeiden.
- Bewohner von Pfahlbauten warfen ihren Müll direkt durch eine Falltüre ins Wasser, was zu Fäulnis und Seuchengefahr führte und teilweise zum fluchtartigen Verlassen von Siedlungen führte.
- Bereits um 3.000 v. Chr. verfügten Häuser der Indus-Kultur über gemauerte Müllschächte, die in Tonvasen mündeten und regelmäßig geleert wurden.
- In Rom wurde ab 600 v. Chr. die „Cloaca Maxima“ als Abwasserkanal genutzt, während Sklaven und Kriegsgefangene für die Reinigung zuständig waren.
- Unter Kaiser Augustus war Rom extrem dicht besiedelt. Wohlhabende Haushalte verfügten über Badezimmer und Toiletten, während ärmere Menschen keinen Zugang zu Fließwasser hatten und auf öffentliche Latrinen oder Nachttöpfe angewiesen waren.
- Müll wurde oft einfach aus dem Fenster geworfen, was zu Verletzungen führte. Solche Vorfälle wurden mit Geldstrafen oder Entschädigungen geahndet.
- Bereits damals wurden manche Abfälle recycelt: Urin diente als Rohstoff für Gerber und Färber, Altmetalle wurden wiederverwendet, und andere Abfälle wurden vergraben.
Mittelalter
- Im Mittelalter wurde Müll meist auf die Straße oder auf Misthaufen geworfen, wobei Tiere wie Schweine und Hunde zur „Reinigung“ beitrugen.
- Nach dem Ausbruch der Pest wurden Hygienevorschriften eingeführt. Seither waren Gassenmeister für die Müllsammlung verantwortlich.
- In Paris wurden Bürger verpflichtet, ihre Straßen sauber zu halten, was zu illegaler Müllentsorgung auf öffentlichen Plätzen, teilweise sogar auf Friedhöfen und in Kirchen führte.
- Der Adel und die Kirche sahen sich nicht zuständig für Müll, wodurch sich das Gewerbe der Straßenreinigung und Abfallbeseitigung entwickelte.
- Im 17. Jahrhundert mussten Bauern beim Verlassen der Stadt Müll mitnehmen, was zu hygienischen Problemen führte, da dieselben Wagen später für Lebensmittel genutzt wurden.
19. Jahrhundert bis heute – Fokus auf Österreich
19. Jahrhundert
- Im Jahr 1882 erkannte Robert Koch den Tuberkulose-Erreger und bewies den Zusammenhang zwischen Krankheiten und schlechten hygienischen Zuständen. Daraufhin wurde die Kanalisation ausgebaut und die Fäkalienabfuhr sowie Dunggruben verschwanden zunehmend.
- In großen Städten begann man mit systematischer Müllentsorgung durch Deponierung oder Verbrennung.
- Die erste Müllverbrennungsanlage wurde 1876 in England errichtet, da Deponieflächen knapp wurden.
20. Jahrhundert
- Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Rohstoffe knapp, weshalb vieles repariert oder wiederverwendet wurde.
- Lumpensammler sammelten alte Stoffe für die Papierherstellung, und beschädigtes Geschirr wurde vom „Häferlflicker“ repariert.
- Biogene Abfälle wurden an Tiere verfüttert oder kompostiert, während unbrauchbare Gegenstände im Wald vergraben wurden.
- Kunststoff wird seit dem frühen 20. Jahrhundert für Verpackungen eingesetzt, aber der breite kommerzielle Einsatz begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg, also ab etwa 1950.
Ab der 1960er Jahre

- Ab den 1960er Jahren wurde in Österreich eine organisierte Müllabfuhr eingeführt. Zuvor wurde Müll oft in Flüssen entsorgt, in Erd- und Schottergruben geschüttet oder im eigenen Ofen verbrannt.
- In den 1970er Jahren wurden erste Glas- und Papiersammelcontainer auf öffentlichen Plätzen aufgestellt und regelmäßig geleert.
- Ab den 1980er Jahren entstanden in Oberösterreich die ersten Altstoffsammelzentren (ASZ), die heute flächendeckend verfügbar sind. In den ASZ werden über 80 verschiedene Abfallarten gesammelt.
- Seither ist es das Ziel, die Kreislaufwirtschaft zu unterstützen, also Rohstoffe und Energie zu sparen, Schadstoffe zu vermeiden und eine lebenswerte Zukunft zu sichern.

